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Titelgewinn mit Höhen und Tiefen: GP-Champion Tim Georgi im Portrait

17 Punkte Vorsprung vor den finalen beiden Rennen - ein gutes Polster, aber kein Vorteil, auf dem sich ein Rennfahrer ausruhen kann, wenn noch 50 Zähler zu vergeben sind. Tim Georgi (17, GER) ruhte sich im niederländischen Assen nicht aus und gab trotz schwierigsten Bedingungen im ersten Lauf alles, um den dritten Platz und damit den frühzeitigen Titel der GP-Klasse im ADAC Northern Europe Cup nach Hause zu fahren, den er neun Runden lang einnahm. Doch ein Sturz im Nassen verhinderte den frühen Jubel.

Im zweiten Rennen setzt der Berliner auf seine letzte Chance. "Ich wollte nicht kämpfen, keine schnellsten Rennrunden fahren, sondern einfach nur den Titel mitnehmen", gibt er zu. Schließlich fuhr der 17-Jährige zwölf Runden sauber durch, liegt vom Start bis ins Ziel auf dem zweiten Rang hinter seinem Freudenberg Racing Teamkollegen Walid Khan Soppe (17, NED) und bringt die so notwendigen Punkte letztendlich ins Ziel.
"Drei Titel in vier Jahren sind eine gute Bilanz. Dieses Jahr habe ich mir besonders in den letzten Rennen aber das Leben noch einmal wirklich schwergemacht. Sicherlich hatte ich gute Grundvoraussetzungen in dieser Saison, aber ich habe selbst am Saisonende zu viele Fehler gemacht", gibt Georgi selbstkritisch zu. "Am Ende hat es aber noch geklappt und ich möchte mich bei meinem Team, meiner Familie und Freunden und meinen Unterstützern bedanken, dass immer hinter mir stehen."

Eine durchwachsene Saison

Nachdem er das erste Rennen nicht beendete, begann Georgi mit seiner Siegesserie in der GP-Klasse des ADAC Northern Europe Cup. Er gewann beide Rennen im Rahmen der German Speedweek in der Motorsport Arena Oschersleben und nahm danach auch zwei Mal 25 Punkte in Donington Park mit. Beim Test brach sich der Förderpilot der ADAC Stiftung Sport den Fuß, dennoch kämpfte er tapfer auf dem Sachsenring.
"Das Rennen auf dem Sachsenring war definitiv mein bestes und gleichzeitig mein schwierigstes in dieser Saison", erklärt er. "Zum einen musste ich aufgrund meines Starts in der Moto3-Weltmeisterschaft als Letzter losfahren, dazu kamen die Schmerzen im Fuß und dennoch konnte ich den Lauf mit über zehn Sekunden Vorsprung gewinnen. Das war schon heftig." In Brünn konnte Georgi nicht starten, da er erneut mit einer Wildcard im Grand Prix antrat.

Zur vorletzten Veranstaltung der Saison in Silverstone wollte Georgi durchstarten und den Titel frühzeitig sichern, hatte jedoch schon mit einem Fehler in der Aufwärmrunde zum ersten Rennen Pech und ging zunächst leer aus, bevor er im zweiten Lauf den zweiten Platz sicherte und damit mit 17 Punkten Vorsprung in der Tabelle zum Finale im Rahmen der MCE Insurance British Superbike Championship in Assen anreiste.

Erste Fahrversuche im Alter von vier Jahren

Bis zum Titelgewinn 2017 blickt Georgi bereits auf eine lange Laufbahn zurück. "Als ich vier Jahre alt war, bin ich zum ersten Mal Motorrad gefahren. Damals drehte ich ein paar Runden mit einem Pocket Bike auf einem Parkplatz. Vier Jahre später fuhr ich dann die Berliner Pocket Bike Meisterschaft und parallel noch ein bisschen Supermoto", erinnert sich der 17-Jährige zurück.
Im Alter von zehn Jahren stieg Georgi in den ADAC Mini Bike Cup ein, hatte zunächst Startschwierigkeiten und kam innerhalb von drei Jahren immer besser in Fahrt, bevor er in den ADAC Junior Cup powered by KTM aufstieg und die Serie auf Anhieb gewann. "Ab diesem Punkt 2014 lief es immer besser, ich konnte einen IDM-Titel holen, Erfahrungen in der spanischen Meisterschaft sammeln und einige ADAC NEC-Rennen gewinnen", fasst Georgi zusammen.

Ein neuer Abschnitt

Abseits der Rennstrecke hat Georgi ebenso alle Hände voll zu tun. Nach erfolgreichem Schulabschluss, begann der 17-Jährige im September nun eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. "Die Leute sind sehr nett, ich arbeite viel am Computer, kümmere mich um Bestellungen und sämtliche andere Dinge. Die Ausbildung macht richtig Spaß", schildert er.

Sitzt Georgi einmal nicht in der neuen Firma, verbringt er seine Freizeit meist im Fitnessstudio. "Gerade in den letzten Wochen, bin ich gefühlt ins Fitnessstudio eingezogen, da ich fast jeden Tag trainiert habe. Ich habe mir jetzt einen eigenen Trainingsplan erstellt, denn mittlerweile weiß ich ziemlich gut, was ich auf dem Motorrad brauche", so der Berliner, der davon träumt, eines Tages in der MotoGP anzukommen. "Das ist natürlich mein großer Traum, aber mir ist gleichzeitig auch bewusst, dass es nicht leicht wird, dort anzukommen."

Wo ihn die Zukunft hinführt, ist momentan noch nicht geklärt. "Zunächst einmal fahre ich die beiden letzten Rennen in der Junioren-Weltmeisterschaft dank der Förderung der Dorna hier im ADAC Northern Europe Cup und dann sehen wir weiter", sagte der talentierte Deutsche mit Blick nach vorn.

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