Vom Champion lernen

Erstellt von Jana Wierik | |  

Im Endurosport kämpfen sich die Fahrer auf Serienmaschinen durch den Sand. Im Vergleich zum teureren und materialintensiveren Motocross ist Enduro damit für eine größere Zielgruppe eine gute Option. Doch auch hier gibt es ambitionierte Profiserien. Um noch mehr jüngere Fahrer zu begeistern, hat der ADAC Berlin-Brandenburg mit dem Enduro KIDS Cup erfolgreich die Lücke zum Enduro Cup geschlossen. Für die professionelle Förderung der Enduro-Nachwuchstalente hat der Club keinen geringeren als den deutschen Champion gewonnen: Dennis Schröter. Den Neuen im Trainerstab stellt der Außenspiegel im Interview vor.

Wie bist du eigentlich zum Motorsport gekommen?

Durch meinen Opa und Vater. Es ist zwar keiner von beiden aktiv gefahren. Wir haben aber gemeinsam viele Rennen besucht. Die MX-Strecke von Fürstlich Drehna lag ja quasi vor der Haustür. Mein Opa hat mir dann ein Motorrad aufgebaut und ich wurde infiziert.

Im Jahr 2010 – mit 28 Jahren – bist du vom Motocross auf Enduro umgestiegen. Warum?

Ich hatte eine Verletzung zum Ende der Saison und es war auch noch kein neuer Vertrag klar. Zeitgleich hatte ich aber ein sehr gutes Angebot von einem Enduro-Team, das ich nicht ablehnen konnte. Mit Ende 20 weiß man im MX nicht mehr sicher, wie lange es noch gut läuft. Und so habe ich meine zweite Karriere im Enduro gestartet und es nie bereut.

Was unterscheidet eigentlich Enduro von MX?

MX ist ein direkter Kampf Mann gegen Mann. Beim Enduro hingegen ist man auf sich allein gestellt, kämpft allein gegen das Gelände und gegen die Uhr. Beim Enduro fährst du dein Rennen auch stark vom Kopf her. Man schaut sich die Strecke vorher genau an, muss clever sein und neben Ausdauer auch eine gute Orientierung haben.

Deine Enduro-Karriere ist top: DM-Titel in allen drei Klassen, sechsmal ungeschlagener Championatssieger. Was waren dein schönster Erfolg und die schlimmste Niederlage?

Jeder Titel war schön. Aber mein erster Championtitel war schon besonders. Beim MX hatte ich vorher leider nie einen Titel gewonnen, nur viele Vize-Titel. Das sehe ich vielleicht als kleine Niederlage.

Nun bist du inzwischen 38 Jahre alt: Hast du alles erreicht oder geht noch was?

Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Aber natürlich bin ich immer noch motiviert und habe vor allem Spaß am Fahren, also werde ich weiter im Enduro mitmischen. Jetzt – in meiner neuen Rolle als Trainer – würde es mich aber auch freuen, wenn Fahrer aus unserem Kader durch meine Hilfe es mal ganz nach vorn schaffen.

Aktuell bremst die Corona-Pandemie viele Motorsportserien aus – wie ist die Lage im Enduro 2020?

Die Enduro-Saison soll im September normal starten. Aber niemand weiß so genau, wie sich alles entwickelt. Im Moment kann man leider nichts hundertprozentig planen, das beeinflusst natürlich auch meine eigene Vorbereitung.

Positiv ist immerhin, dass der Trainingsbetrieb wieder starten konnte. Was sind deine Aufgaben im Trainerstab des ADAC Berlin-Brandenburg?

Ich kümmere mich um den Enduro-Nachwuchs und versuche den Kids so gut es geht dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Dafür sind wir im Juli erst einmal testweise mit einem Trainingslager gestartet. Gemeinsam mit MX-Fahrer Christian Brockel trainierten wir dabei beide Bereiche: Motocross und Enduro. Zu meinen Schützlingen gehörten acht Fahrer, die um die 15 Jahre alt sind. Das Projekt ist noch im Aufbau, mein Traum wäre es schon, dass wir jüngere Kinder optimal im Endurosport fördern können.

Was müssen die Kids mitbringen?

Ein gewisses Talent ist in jedem Sport wichtig. Und natürlich die richtige Einstellung: Sie müssen es von alleine wollen und Spaß daran haben.

Wieviel Zeit geht drauf für den Sport? Und was treibst du, wenn du nicht mit der Maschine durch das Gelände pflügst?

Es geht schon sehr viel Zeit drauf. Im Grunde bin ich Vollzeit-Profi, seitdem ich meine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen habe. Zusätzlich gebe ich Lehrgänge und bin als Enduro-Guide im Ausland unterwegs. Zum Beispiel arbeite ich mehrere Wochen im Jahr auf Zypern und begleite dort Abenteuerhungrige auf speziellen Touren.

Dein Leben dreht sich meist auf zwei Rädern. Fährst du eigentlich auch so rasant Auto?

Nein! Das Auto ist für mich nicht viel mehr als ein Gebrauchsgegenstand. Und ich mag keinen Asphalt, am liebsten bin ich auf zwei Rädern im Wald unterwegs, auch oft mit dem Mountainbike.

Wenn du einen Wunsch frei hättest und es gäbe kein Coronavirus: auf welcher Traumroute wärst du mit welchem Traumfahrzeug unterwegs?

Einmal quer durch Norwegen. Ich mag einfach die nordischen Länder: die Natur, die Weite, die Ruhe. Hier würde ich im Camper meine kleine Familie natürlich mitnehmen.

Foto: Busty Wollter